Hundebisse vermeiden

Es ist keine leichte Zeit für Hundehalter. Nicht nur die so genannten Kampfhunde werden von allen Seiten argwöhnisch betrachtet. Auch alle anderen Hunde, und deren Halter treffen heutzutage oft auf Misstrauen. Ständig wird in den Zeitungen von schlimmen Beißunfällen berichtet. Sind unsere Hunde wirklich so viel aggressiver geworden? Sicher nicht. Bei den Schlagzeilen handelt es sich um Einzelfälle die von den Medien gewinnbringend ausgekostet werden. Wahrscheinlich gibt es im Umgang mit Pferden mindestens so viele ernste Unfälle, nur die sind natürlich nicht so publikumswirksam.

Für aktive Tierschützer, Trainer und Verhaltensberater ist das Thema jedoch wirklich nichts Neues. Aggressionen sind das Problem Nummer eins bei Hunden. Aber was ist der Grund dafür?

Die angeborene Problemlösung

Hunde sind von Natur aus so ausgestattet, dass sie dazu neigen bei Schwierigkeiten nach "Plan A" vorzugehen. "Plan A" besagt: Problemen werden mit den Zähnen gelöst. Schon die Mutterhündin zeigt ihren Welpen die gebleckten Zähne, wenn sie im Spiel mit ihr zu weit gehen. Wenn es beim Bürsten "ziept", ist die erste Reaktion vieler Hunde, nach dem Striegel zu schnappen. Wenn zwei Rüden sich nicht einig sind, wer der stärkere ist, kommt es zu einem Kampf zwischen ihnen. Wird einer läufigen Hündin die Aufdringlichkeit eines Männchens zu bunt, dann setzt es was.

Wir müssen es akzeptieren, Hunde sind aggressive Lebewesen. Sie sind sogar fast so aggressiv, wie wir Menschen. ;-)

Genauso wie die allermeisten Menschen heutzutage jedoch ohne Gewaltausbrüche zu Recht kommen, können dies auch Hunde lernen. Je früher man damit anfängt, desto besser.

Dabei kommt es vor allem auf zwei Punkte an:

Erstens muss schon der Welpe lernen, ohne größere Probleme mit unserer Welt klar zu kommen. Wenn er sich wohl fühlt und Vertrauen zum Menschen hat, braucht er auch nicht aggressiv zu werden.

Zweitens muss er eine Hemmung entwickeln, seine Zähne dem Menschen gegenüber einzusetzen. Ein Hund der früh gelernt hat, dass er niemals einen Menschen mit den Zähnen berühren darf, wird wahrscheinlich auch in sehr schwierigen Situation nicht beißen.

Der ausgeglichene Hund

Auf dem Weg zu glücklichen Hund sind die Sozialisation und die Umweltgewöhnung die wichtigsten Schritte. Unter diesen Begriffen versteht man das schrittweise vertraut machen eines Welpen mit Lebewesen und seiner Umwelt. Besonders wichtig ist dies in der Zeit bis zur sechzehnten Lebenswoche. Bis dahin sollte der junge Hund all die Dinge kennen gelernt haben, die auch später zu seinem Leben gehören werden. Er sollte zum Beispiel Freundschaft schließen mit den verschiedensten Menschen jeden Alters. Das bedeutet jedoch nicht, dass er auf jeden Menschen gleich zustürmen muss, um ihn voller Begeisterung mit Anspringen und Bellen zu begrüßen. Damit macht sich ein Hund keine Freunde. Er sollte zwar lernen, dass es angenehme Folgen für ihn hat, wenn ein fremder Mensch auftaucht, aber die angenehmen Dinge gehen von seinem Zweibeiner aus.

Indirekte Sozialisation

Hunde sind weitgehend von Gefühlen gesteuert. Sie handeln immer so, wie ihnen gerade zu mute ist. Aus dieser Beobachtung heraus, habe ich das Konzept der "Indirekten Sozialisation" entwickelt. Wenn ein junger Hund von Anfang an mit bestimmten Situationen ein angenehmes Gefühl verbindet, ist kein Platz mehr, für Angst oder Aggressionen. Diese Tatsache kann man sich zu nutze machen, indem man dafür sorgt, dass das Tier bei jeder Begegnung mit Menschen angenehme Erlebnisse hat. Wann fühlen sich die meisten jungen Hunde besonders wohl? Beim Fressen, Spielen und wenn sie gelobt und gestreichelt werden. Sorgen sie also dafür, dass ihr Welpe immer etwas Angenehmes von ihnen bekommt, wenn er Menschen begegnet. Dies gilt ganz besonders für Begegnungen, bei denen ein Hund von Natur aus zu Aggressionen neigen könnte.

Wenn es eng wird

Genau wie Menschen, neigen auch Hunde eher zu Unfreundlichkeiten, wenn es ihnen zu eng wird. Sind Sie zum Beispiel gerade mit ihrem kleinen, vierbeinigen Schüler in der Innenstadt unterwegs und Sie müssen durch eine Menschenmenge gehen? Dann greifen Sie in die Leckerbissentasche und füttern den Hund, solange Sie durch die Gruppe gehen. "Mhm, das ist ja richtig schön, wenn einem die Menschen so nah kommen," wird der Welpe denken.

Reizende Bewegungen

Schnelle Bewegungen reizen einen Hund zum Nachjagen. Auch dabei kann es leicht zum Einsatz der Hundezähne kommen. So mancher Jogger oder Radfahrer kann davon ein Liedchen singen.

Sorgen sie schon bei der ersten Begegnung mit einem Jogger dafür, dass der Welpe die richtige, friedliche Einstellung gewinnt. Genau in dem Moment, wo der kleine Freund den Läufer wahrnimmt, holen sie zum Beispiel das Lieblingsspielzeug heraus und spielen so lange mit ihm, bis der Jogger vorbei ist. Schon bei der nächsten Begegnung mit einem Dauerläufer, wird der Hund sie wahrscheinlich anschauen, als ob er sagen wollte: "Und wo ist nun mein Spielzeug?"

Auf die gleiche Art lernt schon der junge Hund, auch Radfahrer, tobende Kinder, sogar auch weglaufende Katzen und Wild in Ruhe zu lassen.

Oft entscheidet die erste Begegnung darüber, wie der Hund sich später verhält.

Es spukt

Eine weitere Gelegenheit, bei der es zu Aggressionen kommen kann ist wenn dem Hund etwas unheimlich ist. Typische Beispiele sind: Herren mit Hut, Damen mit Gehstöcken, Menschen in Uniform, Leute von anderer Hautfarbe, kreischende Kinder...

Sie alle sind für die meisten Hunde keine alltäglichen Begegnungen und können deshalb leicht Angst verursachen. Von der Angst zur offenen Aggression ist es oft nur ein kleiner Schritt. Suchen Sie deshalb bewusst solche Gelegenheiten, um Ihrem neuen Mitbewohner zu zeigen, dass er keine Angst zu haben braucht. Egal ob er bei dem Zusammentreffen mit einem solchen Menschen von Ihnen Futter bekommt, zu einem Spiel aufgefordert wird, oder tüchtig gelobt und durchgekrault wird, seine Gefühle zum Gegenüber werden von Anfang an positiv sein.

Vorsicht Fallstrick

Sollte der Welpe jedoch in einer dieser Situationen den anderen Menschen anbellen, oder -knurren, dann dürfen sie ihn auf keinen Fall Loben oder Streicheln. Dadurch würden sie ihm diese Unfreundlichkeiten geradezu antrainieren. In diesem Fall lenken sie den Welpen lieber zum Beispiel mit Futter oder Spiel ab. Wenn er dann von dem unerwünschten Verhalten ablässt, können sie ihn auch sofort wieder von Herzen loben.

Weitermachen!

Mit dieser Art des Verhaltenstrainings legen Sie eine gute Basis für einen entspannten und freundlichen Begleiter. Vergessen Sie jedoch nie, dass es für Ihren Hund eigentlich nahe liegender wäre, in schwierigen Situationen die Zähne zu zeigen. Ein friedlicher Hund ist deshalb keine Selbstverständlichkeit. Arbeiten Sie auch im weiteren Leben immer daran, dass sich für den Hund freundliches Verhalten lohnt. Lassen Sie keine Gelegenheit ungenutzt verstreichen.

Beißhemmung

Der zweite wichtige Punkt ist dem Welpen klar zu machen, dass er niemals mit den Zähnen die Haut oder Kleidung eines Menschen berühren darf. Eine solche Beißhemmung wird von Welpen anhand von Versuch und Irrtum erlernt. Schon die Wurfgeschwister zeigen sich gegenseitig, wenn einer im Spiel zu hart zubeißt. Entweder sie brechen sofort das Spiel ab, schreien lauft auf, oder beißen zurück. Viel wichtiger ist aber, dass sie immer weiter spielen, wenn der Spielpartner vorsichtig mit seinen scharfen Zähnchen ist.

Empfindliche Menschen

Dieser natürliche Lernprozess lässt sich leicht auf menschliche Spielpartner übertragen. Nur muss der Welpe lernen, dass Menschen "noch viel empfindlicher" sind. Schon bei der leichtesten Berührung der Zähne mit menschlicher Haut oder Kleidung brechen sie also sofort das Spiel ab. Bei hartnäckigen Junghunden, muss das Ganze eventuell auch noch mit einem theatralischen Kreischen verdeutlicht werden. Solange der Welpe jedoch nicht mit den Zähnen die menschliche Haut berührt, wird er freundlich gelobt.

Spielzeug

Natürlich muss er aber die Möglichkeit haben sein wichtigstes Werkzeug, das Gebiss, im Spiel einzusetzen und zu erproben. Deshalb sollten Welpenbesitzer immer mit einem Spielzeug zu spielen. Darauf kann der Hund nach Herzenslust beißen und kauen. Im Fachhandel gibt es eine riesige Auswahl an Hundespielzeug, aber ein Stück Gartenschlauch, ein Tennisball in einer alten Socke, oder ein verknotetes Handtuch tun es natürlich auch.

Wenn sie dafür sorgen, dass das Spielzeug immer interessante Bewegungen macht, während sie die Hände eher still halten, ist die Versuchung auch nicht so groß.

Vorsicht bitte!

Versteht der Welpe schon die Bedeutung des Wortes "Nein"? Dann kann man auch dieses Wort einsetzen, um ihn vom Fingerbeißen abzubringen. Damit sollten sie jedoch vorsichtig sein, denn ein empfindsamer Welpe könnte schnell ganz den Spaß am Spielen mit ihnen verlieren. Das wäre nun wirklich sehr schade.

Auch Knurren, Schimpfen oder Zurückkneifen sollte man sich nur bei sehr hartnäckigen Vierbeinern erlauben. Wichtig ist aber vor allem, dass der Welpe die Lektion lernt und nicht mehr nach Fingern, Händen, Füßen, Ärmeln oder Hosenbeinen fasst.

Was aber wenn...

... es doch einmal zu Aggressionen kommt? Als Sofortmaßnahme ist immer die Ablenkung zu empfehlen. Wenn Sie mit dem Hund schimpfen, oder ihn bestrafen, zeigen Sie ihm aus seiner Sicht, dass da wirklich ein Problem ist. Lenken Sie den Hund lieber ab, indem Sie ihn freundlich, in begeisterten Tonfall, mit seinem Namen ansprechen. Notfalls kann man ja auch mit der Leine etwas nachhelfen. Sobald er ablässt, sollten Sie ihn überschwänglich loben und mit Spielzeug, oder Futter belohnen. "Was? Auch noch dafür belohnen?", höre ich Sie sagen. Ja, denn Sie belohnen den Hund nicht fürs aggressive Verhalten, sondern für das Aufhören damit.

Auf jeden Fall versuchen Sie heraus zu finden, warum der Hund unfreundlich geworden ist. Dann können Sie entweder diese Situation in Zukunft vermeiden, oder besonders üben.

Professionelle Hilfe

Wenn Sie mit ihrem Hund ein anhaltendes Aggressionsproblem haben sollten, wenden Sie sich möglichst frühzeitig an jemanden, der sich damit auskennt. Dies kann ein erfahrener Trainer oder Verhaltensberater, oder auch ein Fachtierarzt sein. Besonders bei plötzlichen Verhaltensänderungen sollte der erste Weg zum Tierarzt führen, denn Aggressionen können auch medizinische Gründe haben.

Haben Sie viel Spaß mit Ihrem Hund!

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Wie man sich schützen kann

1. Schauen Sie einem unbekannten Hund nicht in die Augen,  beachten Sie ihn nicht, auch wenn es schwer fällt.

2. Sollte er unfreundlich sein, verschränken Sie die Arme vor der Brust, und bleiben ruhig stehen. Schauen Sie dabei seitlich nach unten vom Hund weg.

3. Wenn ein unbekannter Hund auf Sie zu stürmt, lenken Sie ihn möglichst ab, indem Sie einen Gegenstand (Handtasche, Mütze, Schlüsselbund, Schirm...) seitlich wegwerfen. Ansonsten still stehen bleiben, wie unter Punkt 2.

4. Erst wenn der Hund sich nicht mehr für sie interessiert, ziehen Sie sich wortlos und langsam zurück.

Unterlassen Sie alles, was den Hund provozieren könnte, wie zum Beispiel: Schreien, Anstarren, auf ihn zugehen, Weglaufen, Hand ausstrecken, beruhigend auf ihn einreden, Schlagen oder Treten.

 

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Alle Rechte am Text: Rolf C.Franck

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